4. Salon: Lernen von Athen

Salon Lernen von Athen

Was kann „Lernen von Athen“ eigentlich in einem politisch-emanzipatorischen Sinne heißen?

Im April 2017 unternahmen wir eine Reise nach Athen, wo wir mit verschiedenen Menschen über das Leitmotiv der documenta14 ebenso wie über die Krise in Europa und Griechenland, Austeritätspolitik und vor allem Solidarität gesprochen haben.

Wir nehmen den 4. Kasseler Salon zum Anlass, über diese Erfahrungen und den Launch eines neuen Zines zu Formen von Widerständigkeit zwischen Kassel und Athen zu diskutieren. Wie immer bei unseren Salons, gibt es zu Beginn einige vorbereiteten Wortbeiträge, die dann um spontane Beiträge aller Teilnehmenden ergänzt in einer gemeinsamen Diskussion münden. Wir sind gespannt auf eure Erfahrungen, Ideen und Perspektiven.

Häuser und Wohnraum vergesellschaften! Solidarität mit der Besetzung der Villa Rühl!

Der Kapitalismus und seine Krisen prägen unsere Städte, unser Leben, unseren Alltag. Steigende Mieten bei gleichzeitigem Leerstand, mehr und mehr Zwangsräumungen bei gleichzeitig immer mehr Wohneigentum, unbezahlbare Kulturspektakel bei schwindenden Räumen für nicht-kommerzielle Kunst, Musik und politische Debatten. Diese Widersprüche machen sich auch in Kassel deutlich bemerkbar.
Viele Menschen wehren sich bereits gegen die damit einhergehende soziale Spaltung der Stadt und stellen die Konventionen der kapitalistischen Gesellschaft infrage. In diesen politischen Auseinandersetzungen werden die Bedürfnisse der Vielen und gesellschaftliche Verantwortung jedoch stets den privaten Interessen der Wenigen untergeordnet. Oftmals kommt es sogar zu einer Kriminalisierung derjenigen, die sich für eine andere Gesellschaft, jenseits von Verwertungslogik und Konkurrenzdruck, einsetzen. Dies finden wir falsch!

Die Gruppe d.o.r.n. solidarisiert sich mit den Besetzer*innen „Unserer Villa“ in der Mönchebergstraße 42 und dem Ziel ein soziales Zentrum für alle aufzubauen. Solche Orte der praktischen Solidarität, in denen wir gemeinschaftlich städtischen Raum jenseits privaten Eigentums organisieren und gestalten, braucht es in Kassel wie überall.

Von Athen lernen heißt Solidarität organisieren SOLI-COCKTAILTRESEN ZUM ERSTEN MAI

Seit fast 10 Jahren durchlebt die griechische Gesellschaft eine tiefe wirtschaftliche, politische und soziale Krise. Die von Regierungen und EU durchgesetzte Kürzungspolitik hat vielen Menschen die notwendigen Mittel zum Leben genommen und soziale Infrastrukturen zerstört. Zwar sind die großen Bewegungen von 2011/2012 vorbei, doch Projekte des Widerstands, der Selbstorganisation und der Solidarität bleiben.
Inmitten einer äußerst schwierigen Lage gibt es Orte wie das City Plaza hotel, das 2016 besetzt wurde und in dem derzeit fast 400 Geflüchtete leben und zusammen gegen das rassistische Grenzregime kämpfen. Auch in Perama, einem Ortsteil der Hafenstadt Piräus in der Nähe Athens, organisieren sich Nachbar*innen in einem sozialen Zentrum. Perama ist von hoher Arbeitslosigkeit betroffen, das Geld reicht oft nicht für den Lebensmitteleinkauf oder die Stromrechnung. In gemeinsamen Initiativen stemmen die Bewohner*innen der Nachbarschaft jedoch eine solidarische Küche oder Nachhilfeunterricht für Kinder. Sie konnten in ihren politischen Kämpfen einen kostenfreien ÖPNV-Transport für Erwerbslose zwischen Piräus und Athen und die Verhinderung von Zwangsräumungen durchsetzen. Diese Projekte agieren ohne finanzielle Sicherheit und müssen jeden Monat aufs Neue die Mittel für Miete, Strom, medizinische Güter usw. aufbringen.

Alle Einnahmen des Soli-Tresens gehen daher an das soziale Zentrum in Perama. Kommt also zahlreich und beschließt den 1.Mai mit einem Soli-Cocktail!

Happy Birthday, City Plaza!

Vor einem Jahr – am 22.April 2016 – besetzen Aktivist*innen ein leerstehendes Gebäude im Zentrum Athens, das ehemalige „Hotel City Plaza“. Seitdem ist das „Beste Hotel Europas“ ein kollektiver Raum der Solidarität. Fast 400 Geflüchtete aus verschiedenen Teilen der Welt leben dort, die Hälfte von ihnen Kinder. Sie können dort in Sicherheit leben, spielen, lernen. Das City Plaza ist auch ein Ort der politischen Vernetzung und des selbstorganisierten Widerstands gegen die rassistische Migrationspolitik der EU und ihrer Mitgliedsstaaten. Die kürzlich erfolgten Räumungen von zwei ähnlichen sozialen Zentren in Athen durch die Polizei zeigt, wie bedroht solche solidarischen Strukturen sind. Statt die unmenschlichen Lager an den Grenzen zu schließen, werden diese wichtigen Projekte zerstört. (Weitere Infos: http://europas-bestes-hotel.eu/ oder https://www.facebook.com/sol2refugeesen/)

In Solidarität mit dem City Plaza und allen antirassistischen Kämpfen schließen wir uns der Forderung der Bewohner*innen und Unterstützer*innen an:

Keep City Plaza open! Erhaltet das “beste Hotel Europas”!

Anlässlich des einjährigen Jubiläums haben wir am Samstag in der Kasseler Nordstadt eine Foto-Aktion gestartet, mit der sich Menschen solidarisch mit dem City Plaza erklären können. Hier sind einige der Bilder:

Kasseler Salon gegen den Ausstieg

Mit der Veränderung der Lebensbedingungen –meist dem Beginn der Übernahme von Sorgearbeit – steigen viele vormals politsch aktive Menschen aus ihren Zusammenhängen aus und ziehen sich ins Private zurück.
// Wir machen das Private zum Gegenstand politischer Diskussion, nutzen den Salon als Ort der Verständigung über die Bedingungen und Wege, ein politisch aktiver Mensch zu bleiben.
// Wir wollen gemeinsam der Frage nachgehen, wiestrukturelle Bedingungen unseren Alltag verändern und welche Strukturen uns dabei helfen, politisch involviert zu bleiben?
// Wir wollen mit euch diskutieren, wie wir uns Freiräume schaffen und bewahren können und welche Strategien und widerständigen Praxen es uns erlauben, politisch aktiv zu bleiben?

Montag 2.5.
Risiken und Nebenwirkungen “politischer Lohnarbeit”

Wenn Lohnarbeit und politische Praxis sich überschneiden entstehen neben Möglichkeiten meist
auch auch eine Reihe von Problemen. Politischer Anpassungsdruck, aufgesaugt werden, oder die Erfüllung einer Feigenblattfunktion sind in Gewerkschaften, Universitäten oder der politischen Bildungsarbeit, der Arbeit als Journalist*in und in politischen Stiftungen gleichermaßen Risiko.
Häufig steigert gerade eine als politisch verstandene Arbeit die Bereitschaft Prekarität und Löhne hinzunehmen, gegen die wir uns in anderen Bereichen zu recht wehren, oder birgt das Risiko, sich aus politischer Organisation jenseits des Arbeitsverhältnisses auszuklinken.
//Wie lässt sich dagegen vorgehen und wie sieht es mit Interessenvertretung in politischen
Arbeitsverhältnissen aus?
// Wie wirkt sich die Verbindung von Lohnarbeit und Politik auf unsere politischen Inhalte aus und was sind Strategien Anpassungsdruck und Konformismus zu begegnen?
// Wo und wie lassen sich im Lohnarbeitsverhältnis Spielräume für gesellschaftliche Veränderung nutzen?